Shaft (Remake)

1971 brachte Regisseur Gordon Parks den Film "Shaft" in die Kinos und schaffte mit dem Titelhelden einen einzigartigen Ausdruck eines neuen afroamerikanischen Selbstbewußtseins. Shaft, gespielt von Richard Roundtree, war ein schwarzer Polizist, der alle bisherigen weißen Kinohelden an Coolness und Sexappeal übertraf. Jetzt kommt im Jahre 2000 ein Remake dieses amerikanischen Klassikers mit dem für diese Rolle prädestinierten Samuel L. Jackson als Shaft des neuen Jahrtausends und man muß feststellen, daß dieselbe Voraussetzung alleine heutzutage nicht mehr für einen interessanten Film reicht. Der Inhalt: Shaft verhaftet einen rassistischen weißen Yuppie für den Mord an einem Schwarzen. Er hat noch Blut an den Händen, behauptet aber, er wäre angegriffen worden. Eine Kellnerin war Zeugin des Mordes, macht sich aber verängstigt aus dem Staub. Der Yuppie kommt auf Kaution frei, macht sich dünne, kehrt aber zwei Jahre später zurück und wird von Shaft geschnappt. Er kommt wieder auf Kaution frei, der frustrierte Shaft quittiert den Dienst als Polizist und sucht die Zeugin auf eigene Faust. Das ist nicht ganz einfach, vor allem weil der Yuppie sich mittlerweile mit dem Drogendealer "Peoples" Hernandez verbündet hat. Shaft spielt jetzt die verschiedenen Parteien gegeneinander aus und erschießt eine Menge Leute, bis schließlich die Gerichtsverhandlung ansteht.

Mit Samuel L. Jackson in der Hauptrolle standen eigentlich die Chancen für eine Wiederbelebung von Shaft recht gut. Das Problem ist, daß der neue Shaft merkwürdig abgespeckt wirkt; er versinkt in dem wirren Plot, dessen Hauptaugenmerk eher auf Shafts Widersachern liegt. Wo versucht wird, an den alten Shaft anzuknüpfen wirkt das oft gezwungen. So wird eine Szene, in der eine Kellnerin den allzeit bereiten Shaft zum Sex einlädt lieblos eingeschoben - und der Sex selber nicht mal angedeutet. Die Handlung selbst steckt voller logischer Lücken, von denen nur eine angesprochen sei: der Mord wird mit einen glatten Metallpfosten begangen. An keiner Stelle wird gezeigt oder erwähnt, daß der Mörder ihn mit irgendwas abgewischt hätte, um seine Fingerabdrücke zu verwischen. Wer braucht da noch eine Zeugin? Die Charaktere versinken in Klischees: Vanessa gibt die weibliche Polizistin, die Shaft zu mäßigen versucht, wenn er über die Stränge schlägt. Es gibt den trotteligen schwarzen Rastafari-Kumpel von Shaft, entsetzlich gespielt von dem Rapper Busta Rhymes. Der weiße Mörder ist einfach nur Rassist, viel mehr erfährt man nicht. Und dann gibt es noch den Drogendealer "Peoples" Hernandez, der ebenfalls eine undankbare Roller hat: da Shaft sich mit dem reichen weißen Gegenspieler keine Feuergefechte auf der Straße liefern kann, tut er es mit der südamerikanischen Straßengang. Wenn der Held eines Hollywood-Films schwarz ist, muß, müssen die Bösen wohl einer anderen Minderheit angehören, also spricht das Verbrechen jetzt spanisch und wird gleich reihenweise von Shaft umgelegt. Und nicht einmal die Action-Szenen überzeugen. Zum einen sind sie unspektakulär gefilmt, zum anderen gleichzeitig völlig unrealistisch. Zwar ist man gewohnt, daß, wenn geballert wird, der Gute trifft und die anderen nicht, aber wenn die Bösen aus relativ naher Distanz kontinuierlich mit Maschinengewehren um sich schießen, wird's irgendwann albern. Schade ist, daß gute Schauspieler wie Samuel Jackson, Jeffrey Wright ("Peoples") und Christian Bale, der hier zum zweiten mal nach American Psycho den reichen weißen Psychopathen spielt, dem wirren Script und der unzureichenden Regie von John Singleton unterworfen sind. Schade ist es auch um den Originalcharakter Shaft, der ein besseres Remake verdient hätte. Immerhin: am Ende des Films entschließt Shaft sich, Privatdetektiv zu werden. Da der Film in den Staaten ganz gut gelaufen ist, kann man also mit einem zweiten Teil rechnen. Vielleicht wird der ja besser.