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Elizabeth George: Nie sollst du vergessen. München: Blanvalet, 2001. 912 S.
ISBN 3-7645-0098-0

Mit ihrem mittlerweile elften Roman legt Elizabeth George einen neuen, höchst komplexen Fall für Inspector Thomas Lynley und Sergeant Barbara Havers von New Scotland Yard vor. Es beginnt alles damit, daß Eugenie Davies, eine ältere Frau, die zurückgezogen in einem Vorort von London lebte, eines Tages am hellichten Tag überfahren wird. Für den Chef unseres bekannten Ermittlerteams, Superintendent Malcolm Webberly, ist dies nicht ein Fall wie jeder andere, da er bereits vor ca. 20 Jahren bei einem Fall mit der Familie Davies zu tun hatte und sogar ein kurzes Verhältnis mit Eugenie Davies hatte. So stehen Lynley und Havers schnell vor der Frage, wie weit die Loyalität zu ihrem Chef geht. Der Fall der überfahrenden Eugenie ist aber nicht der einzige Handlungsstrang, mit dem der Leser am Anfang dieses Romans konfrontiert wird. Der junge Geiger Gideon, der plötzlich nicht mehr in der Lage ist, Konzerte zu geben, versucht in Berichten an seine Psychiaterin seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Ebenfalls werden eine Sexualtherapeutin, die ebenfalls überfahren wird und ein Börsenmakler, der mit Vorliebe seine älteren Liebhaberinnen beim Chatten kennenlernt, dem Leser vorgestellt. Wie diese verschiedenen Personen und Handlungsstränge zusammenhängen, erfährt der Leser erst nach und nach. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist die Vergangenheit der Familie Davies, die nach und nach von mehreren Seiten aus immer mehr aufgedeckt wird. Natürlich erfahren die Leser auch wieder etwas über das Privatleben der beiden Haupthelden von Elizabeth George, dies steht aber bei diesem komplizierten Fall doch etwas mehr im Hintergrund als in manchen ihrer vorhergehenden Romane.

Mit ihrem elften Roman ist Elizabeth George wieder ein höchst spannender Krimi und eine überzeugende psychologische Studie gelungen. Die Leser sollten allerdings etwas Geduld mitbringen und Freude an verworrenen Geschichten haben, da es doch etwas dauert, bis man die ersten Zusammenhänge begreift. Annemarie Kluge