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James Ellroy: Stiller Schrecken. München: Ullstein, 2002. 279 S. ISBN 3-548-25258-3 Es sind menschliche Monster, Sammler von Menschenleben, Psychopathen, die ihren Wahn ausleben müssen. Es sind Serienkiller. Einer dieser Serienkiller heißt Marty Plunkett und er ist eine Erfindung des amerikanischen Autors James Ellroy. Ellroy hat mit Marty Plunkett aber kein reines Hirngespinst zum Leben erweckt, er hat vielmehr nach langen Recherchen all seine Erkenntnisse über Serienkiller in diese eine Person gesteckt, die in dem Roman "Stiller Schrecken" dem Leser ihre eigene Geschichte erzählt. Marty Plunkett ist ein verurteilter Serienkiller. Nun hat er sich in seiner Zelle in ein undurchdringliches Schweigen gehüllt. Nur ein paarmal, um den Kontakt zu Literaturagenten aufzubauen, die seine Geschichte herausgeben werden, hat er dieses Schweigen gebrochen. Nun ist es an dem Leser, der anhand Marty Plunketts Beschreibungen seines Lebens und seiner Taten, in Kombination mit Zeitungs- und Zeitschriftenartikel und Protokollen der Justizbehörden, sich ein Bild von diesem Mann zu machen. Marty Plunkett träumte wohl immer von einer glücklichen Familie. Doch sein Vater verließ diese, als Marty noch sehr jung war. Danach zerstörte er auch das Leben seiner Mutter und von da an, als er zum erstenmal den Geschmack des Blutes gekostet hatte, wurde in ihm eine langgehegte Phantasie immer mehr zur Wirklichkeit. Dabei holte er sich stets den Ratschlag einer von ihm geliebten Comicgestalt, dem "Shroud Shifter". Shroud Shifter ist das personifizierte Böse und mit diesem will Marty sich gleichsetzen. Ersteinmal trainiert sich der Jugendliche aber in der Kunst des Einbrechens. Ist ihm kein Zugang versperrt, dann kann Marty immer dort sein, wo sich nach seiner Meinung Paare treffen, die er bei dem Akt der Liebe, der vollkommenen Hingabe, beobachten kann. Marty steigert sich immer mehr in seine Träume hinein und als er den nächsten geplanten Mord begeht, ist dies einmal mehr ein Augenblick des absoluten Glücks. Auch wenn dieses zweite Opfer nur ein Wachhund ist. Marty landet wegen Einbruchs im Knast. Dort trifft er auf jemanden, den er nur aus Erzählungen kennt. Es ist jemand, für den man liebt und tötet, es ist Charles Manson. Doch Marty erkennt in diesem nur einen schlechten Witz. Auch das Gefängnis nutzt Marty für seine Zwecke. Er stählt seinen Körper. Er wird immer mächtiger. Wieder aus dem Gefängnis entlassen, taucht er unter. Er verläßt Los Angeles, um in San Francisco ein neues Leben anzufangen. Er beginnt damit, sich selbst einen Schalldämpfer zu bauen. Es folgt eine Reise durch Amerika, eine Reise voller Opfer, Wahn und Gehirnfilme. Marty entwickelt seine Vorleibe für eine bestimmte Sorte von Opfern und trifft sogar auf jemanden, der ihm auf unheimlichen Weise sehr ähnelt. "Stiller Schrecken" wurde 1986 zum erstenmal herausgebracht. Zu einer Zeit, in der Serienkiller noch nicht durch Kino und Fernsehen zur Routine für den an ihnen interessierten Betrachter geworden sind. Hätte ich dieses Buch also vor "Das Schweigen der Lämmer", "Millenium" und "Profiler" gekannt, dann hätte es mich noch mehr erschreckt. Trotzdem löst dieses Buch einen kalter Schauer aus. Marty Plunkett, der Killer, weilt immer so lange unerkannt zwischen den "normalen" Menschen, bis er wieder zuschlägt. Danach zieht er an den nächsten Ort, führt ein weiteres unscheinbares Leben. Seine Art, sich in der Masse zu verstecken, in der niemand merkt, was im Kopf des Killers für Schreckensbilder und Phantasien auftauchen und durch immer neue ersetzt werden, löst eine Hilflosigkeit und Unverständnis aus. Doch zahlreiche Beispiele aus der realen Welt, die auch Ellroy immer wieder für seine Zwecke benutzt, beweisen, daß es diese Art von Menschen wirklich gibt. Sie weilen unter uns. |
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