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Bruce Sterling: Inseln im Netz. München: Heyne, 2002. 574 S. ISBN 3-453-19664-3

Es ist das Jahr 2020. Die Welt hat sich verändert. Multinationale Unternehmen, in denen alle Mitarbeiter gleichzeitig Besitzer und Angestellte sind, kontrollieren den Markt. Das politische Geschick der Erde wird durch die Wiener Konvention gelenkt und kontrolliert. Datenpiraten und Großbanken kämpfen um die neuen Märkte und die Kontrolle des weltweiten Datennetzes. Auf der Ferieninsel Galveston betreibt Laura Webster ein Ferienheim. Sie ist eine Gesellschafterin des Rizome-Konzerns. Das Ferienheim wird zum Ort einer für Rizome wichtigen Konferenz. Rizome hat Abordnungen der führenden Steueroasen und Datenpiraten dazu bewegt, sich zu Verhandlungen an einen Tisch zu setzen. Als einer der Verhandlungsteilnehmer einem Attentat zum Opfer fällt, sieht sich Laura plötzlich in der Pflicht, alles zu unternehmen, damit Rizome als Gastgeber der Konferenz aus der Schußlinie gerät. Zusammen mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter begibt sie sich in die Heimat des Ermordeten. Sie haben während ihres gesamten Aufenthalts in Grenada ihre Videobrillen auf, damit das Netz und die Rizome-Führung sie immer im Auge behalten können. Als der kleine Inselstaat während ihres Aufenthalts angegriffen wird, entschließt sich Laura, ihre Reise fortsetzen, damit dieser Krieg vielleicht doch noch friedlich beendet werden kann. Doch Lauras Odyssee um den Erdball führt sie von einer globalen Krise in die nächste. Die Dinge, die passieren und die Mächte, die sich bekämpfen, scheinen von niemanden kontrolliert werden zu können. Wie soll man auch die Angriffe, die stets aus einer niemals zu erkennenden Richtung kommen, auch abwehren können?

Bruce Sterling, einer der Mitauslöser des Cyberpunk-Welle, schuf 1987 diese Zukunftsvision, die den Leser an einem Krieg teilnehmen läßt, bei dem nicht mehr die ehemaligen Großmächte die Fronten bestimmen, sondern der von kleinen Untergrundorganisationen und nach Freiheit und Kontrolle strebenden Kleinstaaten und Banken geführt wird. Wie es ein guter SF-Autor machen sollte, der eine Geschichte in der nicht allzu fernen Zukunft spielen läßt, gelingt es Sterling, hier ein durchaus glaubwürdig wirkendes Bild der globalen Situation zu zeichnen. Zwar sind auch in den letzten 15 Jahre Dinge passiert, die auch er falsch eingeschätzt hat, doch andere Autoren habe sich da schon viel mehr verschätzt. Ein kleines Manko ist aber, daß er die ganze Geschichte nur anhand der Erlebnisse einer Person festmacht, dies wirkt spätestens nach der vierten durchlebten globalen Krise etwas überzogen. Andererseits wird dadurch auch das persönliche Schicksal seiner Protagonistin von Seite zu Seite immer tragischer, auch wenn sie zwischenzeitlich zum Symbol einer friedlichen Revolution hochstilisiert wird. Auch schafft es der Autor immer wieder, faszinierende und spannende Episoden einzufügen, so daß man nach dem langsamen Beginn der Geschichte in der Mitte anfängt, über die Seiten zu rasen. Sterling beweist aber leider zu selten, wie gut er mit Sprache umgehen kann. Daß er dies kann, stellt er immer mal häppchenweise unter Beweis. Wer aber Lust hat, einen gewagten, aber keinesfalls zu abwegigen Blick in die Zukunft zu werfen, der sollte sich mit Sterlings Heldin auf Weltreise begeben.