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Liaty Pisani: Die Nacht der Macht. Der Spion und der Präsident. Diogenes.
ISBN 3-257-06328-8

Das Leben und die Stellung des russischen Präsidenten Wladimir Sablin ist in Gefahr. Einige russische Oligarchen, Köpfe der russischen Mafia, planen seinen Sturz, weil er ihnen das Leben wesentlich schwerer macht als sein Vorgänger. Schließlich entscheidet Sablin sich dafür, seinen Feinden zuvorzukommen und engagiert den "Dienst" - eine Art privater Geheimdienst, der für den Meistbietenden arbeitet - mit dem Ziel, die Oligarchen aus dem Weg zu räumen. Der Spitzenagent des Dienstes ist Agent Ogden, um den sich die Agentenromanreihe von Liaty Pisani dreht, deren fünfter Band "Die Nacht der Macht" darstellt. Neben der Agentenhandlung hat Pisani mit Ogden vor allem auch einen Spion mit Privatleben geschaffen. Ogden ist kein James Bond, sondern ein sorgfältig agierender, planender Stratege mit einem mehr oder weniger komplexen Innenleben. Im Folgenden wird ein Netz von Intrigen beschrieben; die Versuche des Dienstes, an die Gegenspieler von Sablin heranzukommen und deren Gegenattacken - sowie weitere Verstrickungen, bei denen der Untergang eines gewissen U-Bootes eine große Rolle spielt. Letzten Endes zeigt sich, dass die Bemühungen des Dienstes vielleicht überflüssig sind, da die Mafiosi sich ihre eigenen Gräber schaufeln.

Pisani verwebt reale politische Ereignisse mit der Welt der Geheimdienste. Die realweltlichen Anspielungen sind dabei leicht zu entziffern: die Kursk, der Tschetschenien-Krieg und natürlich der namentlich nur leicht veränderte Sablin-Putin beispielsweise. Merkwürdigerweise wirkt das alles aber eher naiv interpretiert, was sich nicht zuletzt darin niederschlägt, dass - die Russenmafia sei Dank - alle außer den bösen Kriminellen auf der Seite der Engel stehen können. Da wird sogar der Tschetschenien-Konflikt den russischen Oligarchen in die Schuhe geschoben, damit der russische Präsident und Auftaggeber des Dienstes - und damit auch der Dienst und Agent Ogden selbst - moralisch möglichst sauber dastehen kann. Zugleich wirkt die Welt der Geheimdienste wenig überzeugend; zu einfach konstruiert sind die Konflikte und Charaktere. Hinzu kommt, dass die Dialoge oft wenig glaubwürdig sind. Allzu oft hat man das Gefühl, dass über die Äußerungen der Charaktere reine Informationsvermittlung für den Leser betrieben wird. Dabei hilft die deutsche Übersetzung auch nicht gerade, die mit einer geradezu unerklärlichen Abneigung gegen das harmlose Wörtchen "aber" versehen ist, das auf über 300 Seiten vielleicht dreimal zu finden ist. Stattdessen wird immer das andere kleine Wörtchen "doch" benutzt, was auf Dauer eher albern wirkt: "Ich würde gerne eine Zigarette rauchen, doch ich habe kein Feuer" (eigenes Beispiel, aber die Wirkung ist dieselbe). Kein Mensch redet so. Mag sein, dass der Übersetzer versucht, das "literarische Schreibgefühl", dass der Autorin in einer auf dem Klappentext abgedruckten Kritik bescheinigt wird, zu vermitteln, aber der Effekt besteht einfach darin, dass die wörtlichen Reden in dem Roman noch künstlicher wirken, als sie es sowieso schon tun. Es ist zwar schön, dass der Agentenroman endlich eine weibliche Autorin hat (laut Klappentext die erste ernstzunehmende Autorin in diesem Genre) - aber zumindest "Die Nacht der Macht" kann die geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Christian Ulmke