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Marek van der Jagt: Monogam. Zürich: Diogenes, 2003. 92 S. ISBN 3-257-06342-3

Ein Junge ist dazu entschlossen, seine Familie zu beherrschen. Erste Versuche werden aber schnell vom Vater unterbunden und so landet Marek beim Psychiater. Dieser verkündet Marek, daß er total normal wäre und daß seine Familie besser mal zu ihm kommen sollte. Nach diesem ersten Fehlversuch der Beherrschung anderer versucht er es, inspiriert durch einen Film von Truffaut und den Charakteren aus der Literatur, die er in sich aufsaugt und verinnerlicht, mit der Kontrolle über das weibliche Geschlecht. Um sich diesem zu nähern und sich in ihre Kreise von reinen Frauengruppen zu schleichen, begibt er sich in einen Nähkurs und auf verschiedene Damentoiletten, doch sein erster Versuch mit einer Kindergärtnerin die Lust der Liebe zu genießen, scheitert unter anderem an dem wenig erbaulichen Herumgeheule und den wenig aufmunternden Äußerungen beim Liebesakt. Nachdem sich Marek neue Regeln und in der Literatur neue Leitmotive gesucht hat, beginnt er eine echte Beziehung, aus der er aber durch zahlreiches Fremdgehen etwas macht, das er als "Totentanz" bezeichnet. Doch seinem Ziel der Beherrschung des weiblichen Geschlechts, also einem echten Don Juan in nichts nachzustehen, kommt er nicht wirklich nahe und bald tritt Marek die Flucht vor den Opfern seines Tanzes an und so zieht es ihn von Wien nach Paris. Dort und wieder zurück in Wien erlebt er in der nächsten Beziehung eine echte Überraschung.

Ein "Phantomautor" ist ein Autor, von dem zwar vielleicht einiges über sein Werk bekannt ist, aber überhaupt nichts über die Person. Erst bei einer Lesung im Mai 2002 stellte man fest, daß sich hinter Marek van der Jagt ein gewisser Arnon Grünberg verbirgt. Dem Leser ist es jetzt selbst überlassen, wieviel er diesem Doppelleben glaubt und ob der Autor diese Gedanken wirklich denkt und dies auch wirklich erlebt hat. Eins ist klar: der Mann kennt sich in der Liebe aus. Er weiß von der Einzigartigkeit der wahren Liebe, die er mit seiner Art von Doppelleben niemals erleben wird. Am Ende ist nicht er es, der wirklich nur einen geliebt hat. Diese Art, einem anderen Menschen gegenüber zu treten und mit diesem gegen die Bestie namens Liebe anzutreten, bietet schon einiges, um zu schmunzeln und ein paar Gedanken sind natürlich auch voller Wahrheit und Weisheit. "Monogam" bietet für seine 92 Seiten einiges an Lebenserfahrung und kann, da es so einfach geschrieben scheint, was aber natürlich nur dem Talent eines echten Könners zu verdanken ist, ganz in Ruhe und in einem Rutsch gelesen werden.