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Daniel Pennac: Sündenbock im Bücherdschungel. Ein Malaussène-Roman.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2003. 408 S. Im Mittelpunkt der Kriminalromane von Daniel Pennac steht Benjamin Malaussène, Mitte Dreißig, Ersatzvater seiner vielen Halbgeschwister, zur Zeit Verlagslektor und Sündenbock vom Dienst. Er scheint Verbrechen magisch anzuziehen, obwohl er selbst stets vollkommen unschuldig ist. Diesmal muß er sich zunächst Gedanken um seine Schwester Clara machen, die unbedingt einen Gefängnisdirektor heiraten will, der dreimal so alt ist wie sie. Zu dieser Heirat kommt es allerdings nicht mehr, da der Bräutigam am Tage der Vermählung in seinem Gefängnis bestialisch ermordet wird. Als sich kurz darauf herausstellt, daß Clara auch noch schwanger ist und Benjamins Mutter wie immer mit Abwesenheit glänzt, sieht sich Benjamin nicht mehr in der Lage, ein verlockendes Angebot seiner Chefin, der Verlegerin Reine Zabo, auszuschlagen. Benjamin soll in die Rolle des Bestsellerautors J.L.B. schlüpfen, der inkognito bleiben will und öffentliche Auftritte ablehnt. Da aber der Verlag für sein neues Buch unbedingt die große Werbetrommel rühren will, wird dringend ein Double gesucht. Nach seiner Zusage stellt Benjamin fest, daß es sich bei dem Autor um niemand anderen als den ehemaligen Justizminister handelt. So gibt Benjamin vorher einstudierte Interviews und sieht sich seinem Konterfei auf allen Plakatwänden der Stadt gegenüber. Alles geht gut, bis er auf seiner ersten großen Lesung von einer Kugel in den Kopf getroffen wird ... Und der Leser kann zunächst nur hoffen, daß Benjamin, der fortan im Koma liegt, dies irgendwie überleben wird. So muß diesmal Benjamins Freundin Julie den Fall aufklären und den Worten von Benjamins Schwester Thérèse glauben, die bereits weiß, daß Benjamin mit 93 Jahren in seinem Bett sterben wird. Daniel Pennacs Romane sind keine gewöhnlichen Krimis. Sie stellen vielmehr eine hinreißende Satire auf den Kriminalroman und auf den Literaturbetrieb an sich dar, in der es nicht immer streng nach der Logik und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zugeht. Er erfindet außerdem eine Anzahl von skurrilen Charakteren, die Belleville, den multikulturellen Vorort von Paris, bevölkern. Neben den verschiedenen Geschwistern der Familie Malaussène sind da z.B. ein franko-vietnamesischer Polizist, ein arabischer Restaurantbesitzer oder ein sengalesischer Lektor, der ein großer Kenner der chinesischen Literatur ist. Jeder einzelne von ihnen wäre es wert, die Hauptfigur in einem eigenen Roman zu sein. Und dann muß man noch unbedingt die sprachliche Brillanz dieses sehr französischem Autors erwähnen, die ihn weit aus der Masse der üblichen Kriminalschriftsteller heraushebt. Allen Freunden des schwarzen Humors sowie allen Fans von Simenon und Fred Vargas seien die Bücher von Daniel Pennac wärmstens ans Herz gelegt. Annemarie Kluge |
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