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Maarten 't Hart: Gott fährt Fahrrad oder Die wunderliche Welt meines Vaters. Zürich: Arche, 2000. 315 S. ISBN 3-7160-2272-1 Maarten 't Hart ist 29 und Dozent für Ethologie, als er im Frühjahr 1973 als einziger in der Familie erfährt, dass sein Vater unheilbar an Krebs erkrankt ist. In der folgenden Zeit beschäftigt ihn nur noch ein Gedanke: hat er das Recht, seinem Vater seinen Zustand zu verschweigen oder würde er ihm damit vielmehr in seinen letzten Lebensmonaten alle Lebensfreude rauben, ein Zustand, in dem Maarten sich selbst gefangen sieht. Er findet nicht einmal mehr Trost in der Musik, bei seinem Lieblingskomponisten Bach, oder in der Literatur. Auch eine Reise in ein abgelegenes Tal in der Schweiz mit seiner Frau, bei der er hoffte, Ruhe zu finden, hat nicht den gewünschten Effekt. Er beschließt, in diesem Sommer noch einmal in die Welt seiner Kindheit in dem kleinen Ort Maassluis, in dem seine Eltern immer noch leben, einzutauchen und all die guten und schlechten Erinnerungen an seinen Vater durch möglichst häufige Besuche wachzuhalten. Er muss feststellen, dass sein Vater durch den Einfluss seiner Medikamente, die angeblich gegen seinen empfindlichen Magen helfen, förmlich aufblüht und wie eh und je seiner Arbeit als "Grabmacher" auf dem Friedhof nachgeht und seine skurrilen Geschichten erlebt, die er gerne beim Damespiel zum Besten gibt. Als sein Vater schließlich im Herbst an einem Herzanfall stirbt, hat auch Maarten seinen Frieden gefunden. In diesen Erinnerungen an seinen Vater beschreibt Maarten 't Hart in meisterlicher Weise die ambivalenten Gefühle und Beziehungsgeflechte zwischen engen Familienmitgliedern. Außerdem thematisiert er wie in seinen anderen Romanen den Einfluss von Musik und Literatur auf unser Leben und unsere Gefühlswelt. Und schließlich führen uns seine Romane in die besondere Atmosphäre unseres Nachbarlandes Holland. Annemarie Kluge |
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