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Angeles Mastretta: Mexikanischer Tango. Roman. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1990. 326 S. ISBN 3-518-38287-X

Catalina ist noch ein junges Mädchen, fast noch ein Kind, als sie den 20 Jahre älteren ehemaligen General und Politiker Andrés Ascencio in ihrer Heimatstadt Puebla kennenlernt. Sie heiratet ihn, ohne wirklich zu wissen, worauf sie sich einlässt. Erst nachdem sie ihm zwei Kinder geboren hat und Andrés zum Gouverneur in Puebla aufgestiegen ist, wird ihr nach und nach klar, wer ihr Mann wirklich ist. Zunächst muss sie feststellen, dass ihre beiden Kinder längst nicht die einzigen Kinder sind, die Andrés hat. Auch Nach ihrer Hochzeit scheint ihr Mann zahlreiche Affären gehabt zu haben. Nachdem Catalina sich damit abgefunden hat, auch diese Kinder großzuziehen, kann sie auch nicht mehr ewig die Augen davor verschließen, mit welchen Methoden ihr Mann in seine Position gekommen ist und sich dort hält. Nachdem sie Beweise dafür in der Hand hält, dass ihr Mann seine politischen und persönlichen Gegner beseitigen lässt, beschließt sie, dieses Wissen zu nutzen, um sich selber Freiräume zu verschaffen, ohne sich offiziell von ihrem Mann zu trennen. So kann sie sich z.B. verschiedene Affären leisten oder bei einigen politischen Themen Einfluss nehmen. Nur als sie sich ernsthaft verliebt, merkt sie, dass ihr Mann dies nicht zulässt, nicht nur aus Eifersucht, sondern vor allem auch, weil sie ihn in der Öffentlichkeit bloßgestellt hat. Schließlich kann sie aber den Triumph genießen, dass ihr Mann immer abhängiger von ihr wird und lange vor ihr stirbt.

Was hier nach einem schrecklichen Lebenslauf klingt, wird von Angeles Mastretta auf eine leichte und ironische Weise erzählt, die nicht nut alle Freunde und Freundinnen der lateinamerikanischen Literatur erfreuen wird. Ihr Stil ist mit dem von Isabel Allende zu vergleichen, auch wenn die Romane dieser Mexikanerin in Deutschland längst nicht so bekannt sind. In der vordergründig leicht erzählten Lebens- und Liebesgeschichte einer Frau kann der Leser auch einiges zur jüngeren Geschichte Mexikos entdecken und lernt eine Frauengestalt kennen, die es schafft, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Annemarie Kluge