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Der Schneider von Panama
Regie: John Boorman, Drehbuch, Vorlage, Produzent: John Le Carré, Drehbuch:
Andrew Davis, Kamera: Philippe Rousselot, Schnitt: Ron Davis, Musik: Shaun
Davey Darsteller: Pierce Brosnan (Osnard), Geoffrey Rush (Harry Pendel),
Jamie Lee Curtis (Louisa Pendel), Leonor Varela (Marta), Brendan Gleeson
(Mickie Abraxas), Catherine McCormack (Francesca)
Wenn sich Lügen verselbstständigen, so daß aus ihnen langsam eine neue
und gefährliche Wahrheit wird, dann ist es Zeit für den Lügner, die Wahrheit
zu sagen. Mit diesem Satz könnte man das Drama dieses Films zu erklären
versuchen. Und wenn der Lügner dazu noch zur Lüge gezwungen wurde, dann
ist er doch gar nicht selber für die Dinge, die sich aus seinem verzweifelten
Handeln ergeben haben, verantwortlich, oder? Für Harry Pendel, den Schneider
des Präsidenten von Panama, ist sein Leben schon vor langer Zeit zur Lüge
geworden. Eine Lüge, die ihm ein gut laufendes Geschäft, eine schöne Frau
und vieles mehr eingebracht hat. Er mußte nur seine Lebensgeschichte neu
erfinden. Dumm nur, wenn ein anderer davon Wind bekommt und nun mit Erpressung
seine Existenz bedroht. Es ist der nach Panama strafversetzte Agent Osnard,
der in Harry die perfekte Verbindung zu den Mächtigen des Landes sieht.
Er würde ja auch etwas für diese Informationen bezahlen. Und da Harry
dringend Geld braucht, läßt er sich so einiges einfallen, um Osnard bei
Laune zu halten. Er erzählt ihm von einer geheimen Opposition und von
dem geplanten Verkauf des Kanals. Osnard, der in diesen Geschichten seine
letzte Chance sieht, zu Geld und Ruhm zu kommen, beißt an und so fängt
die Geschichte an außer Kontrolle zu geraten.
Die Besetzung der beiden Hauptdarsteller ist einfach so gut getroffen,
daß die Geschichte mit Freude zu verfolgen ist. Brosnan als Osnard darf
noch arroganter und selbstherrlicher sein, als es der Zuschauer von einen
Agenten seiner Majestät gewohnt ist. Damit bestätigt er das Bild, daß
seine Kritiker schon lange von ihm haben und damit läßt es sich in dieser
Rolle so richtig gut leben. Brosnan ist eben Bond und somit ist jeder
Charakter, den er spielt, ein wenig Bond, nur eben ist dies jetzt ein
Bond ohne jeglichen "echten" Charme. Geoffrey Rush als Lügenerzähler hingegen
ist schon fast zu gut in dieser Rolle. Er gibt in jeder Szene hundert
Prozent und läßt damit Harry Pendel schon etwas zu überdreht erscheinen.
Doch ein in ständiger Angst lebender und an seine Sache glaubender Kerl,
der ja auch wirklich Gutes in seinem Leben getan hat, ist wohl wirklich
etwas überdrehter und lebhafter als ein normaler Mensch und einen überdrehten
und lebhaften Typen kann Rush natürlich spielen, schließlich hat er für
seine Darstellung eines Hypernervösen den Oskar bekommen. Und egal, ob
er nun seinen längst toten Onkel sieht oder er einfach in den Rausch seiner
Geschichten gerät, Rush spielt dies intensiv und somit bringt er einen
wunderbaren Charakter auf die Leinwand. Daß sich die Geschichte um Agenten
dreht, ist bei dem Autor der Buchvorlage kein Wunder, denn John Le Carré
ist seit über drei Jahrzehnten für solche Geschichten berühmt. Und daß
John Boorman einen guten Film zu machen weiß, davon zeugen viele Werke
des erfahrenen britischen Regisseurs wie zum Beispiel "Beim Sterben ist
jeder der erste", "Excalibur", "Der Smaragdwald", "Hope & Glory", "Zeit
der bunten Vögel". Und somit kann sich der Zuschauer bei so exzellenten
Filmschaffenden auf beste Kinounterhaltung freuen. |