Nicht auflegen!

In New York auf der 53. Straße, Ecke Times Square, steht eine der noch wenigen sich im Betrieb befindenen Telefonzelle. Während die an der Ecke arbeitenden Prostituierten die Telefonzelle für ihre Arbeit nutzen, wird sie von Stu Shepard, Besitzer einer kleinen Promotionagentur, für sein ganz eigenes kleines Geheimnis gebraucht. Von hier aus kann er seine heimliche Geliebte anrufen und er läuft nicht Gefahr, daß seine Frau auf seiner Handyabrechnung irgendeine verdächtig erscheinende Nummer findet. Als er an einem ganz normalen Tag die Telefonzelle erreicht und kurz mit seiner Freundin geredet hat, klingelt plötzlich das Telefon und ohne sich etwas Schlimmes dabei zu denken, nimmt Stu das Gespräch an. Am anderen Ende der Leitung, so muß Stu in den folgenden Minuten feststellen, ist jemand, der viel über Stu weiß und der behauptet, schon ein paar Menschen umgebracht zu haben, die genauso verlogen waren, wie es Stu ist. Zum einem zwingt sein Gesprächspartner Stu dazu, seine Frau anzurufen und ihr von seiner Affäre zu erzählen und der Mann am Ende der Leitung macht Stu auch klar, daß er bestimmt, wann dieses Gespräch zu Ende ist. Langsam werden aber die Prostituierten ungeduldig, da sie die Telefon auch für ihre Arbeit nutzen. Der Streit mit den Damen eskaliert und als diese ihren Zuhälter zur Hilfe holen und dieser von einer Kugel getroffen zu Boden geht, bricht Panik aus. Stu weiß nun, daß sein Gesprächspartner nicht lügt und er tatsächlich mit einer Waffe auf ihn und seine nähere Umgebung zielt. Doch was nützt einem dieses Wissen, wenn man niemanden zur Hilfe holen kann. Natürlich verbietet ihm die Stimme am anderen Ende auch, mit der nun schnell herbei geilten Polizeieinheit zu reden und die Gesetzeshüter gehen davon aus, daß Stu den Zuhälter erschossen hat. Stu scheint nun vollkommen die Kontrolle über sein Leben verloren zu haben.

"Nicht auflegen!" bedient sich eines recht einfachen Plots. Dieser wird aber sehr wirkungsvoll von Joel Schumacher ausgeschmückt und so leidet der Zuschauer schnell mit der auf den ersten Blick gar nicht so sympathischen Hauptfigur mit. Dies liegt vor allem an Colin Farrel, der es schafft, den von ihm gespielten Charakter über die gesamte Länge des Films glaubhaft erscheinen zu lassen. Außerdem ist die Bedrohung durch die Stimme für den Zuschauer schnell sehr spürbar. Man weiß nicht, wo diese Person genau ist, doch man weiß sehr schnell, wozu sie in der Lage ist. Der Film ist nur 82 Minuten lang. Bedenkt man, wie viele schlechte Filme derzeit auf zwei Stunden in die Länge gezogen werden ("Hollywood Cops", der im September anläuft, ist dafür ein gutes Beispiel), dann kann man dies aber nur begrüßen. Wenn in einer Geschichte nicht genug drin steckt, dann muß man sie auch nicht in die Länge ziehen. "Nicht auflegen!" bleibt über seine gesamte Länge interessant und noch etwas Gutes hat dies in dieser heißen Sommerzeit: man hat nach dem Film noch immer genug Zeit, um ein kühles Getränk zu sich zu nehmen. Nach dem viel zu wenig beachteten Film "Tigerland" ist dies übrigens schon die zweite gelungene Zusammenarbeit von Colin Farrell und Joel Schumacher. Und mit Kiefer Sutherland hat noch ein weiterer Lieblingsschauspieler des Regisseurs hier eine sehr wichtige Rolle, die aber in der deutschen Fassung nicht richtig zur Geltung kommen wird. Da wird die bedrohliche Stimme, die der Hauptperson so zu schaffen macht, von jemand anderen gesprochen.