Ein (un)möglicher Härtefall

Daß sich Frauen scheiden lassen, weil ihr Mann sie betrügt, ist eine Sache. Daß eine Frau sich scheiden läßt, weil sie aller Welt weismachen will, daß sie mit ihrem Mann nicht mehr leben kann, es ihr aber eigentlich nur um das Geld ihres reichen Gatten geht, das ist eine andere Sache. Zwar versucht Marilyn Roxroth alles, es so aussehen zu lassen, daß sie vor Gericht auch ihr Recht bekommt, doch leider sucht ihr Mann seinerseits den besten Scheidungsanwalt von Beverly Hills namens Miles Massey auf, der wirklich jeden seiner Klienten zum Sieg verhelfen kann. Das Wohl seiner Klienten ist Miles größtes Bestreben und sein Erfolg gibt ihm recht. Und Erfolg hat er auch bei diesem Fall. Marilyn bekommt gar nichts. Dafür aber ist Miles von Marilyn sehr angetan und gleichermaßen verwirrt, als ihm Marilyn kurze Zeit später damit beauftragt, ein Schriftstück zu verfassen, daß im Vorfeld dafür sorgt, daß sie bei einer Scheidung von ihrer neuesten Eroberung, einem texanischen Ölmulti, keinen Cent zu sehen bekommt. Als er bei der Trauung des frischverliebten Paares mitansieht, wie der stolze Texaner als Liebesbeweis dieses Schriftstück verspeist, ist er von der Schlauheit Marilyns schwer angetan. Kurze Zeit später ist Marilyn wieder geschieden und als ihr Weg sich in Vegas mit dem von Miles kreuzt, kommt es, wie es scheinbar kommen mußte.

Mit dieser Komödie wird das altehrwürdige Genre der Screwball-Komödie wiederbelebt und mit George Clooney und Cathrine Zeta-Jones haben wir ein Filmpaar, das sich dafür ideal eignet. Clooney versprüht ja schon seit langem den Charme eines echten Hollywoodstars und Zeta-Jones verkörpert die dazu passende Eleganz. Es geht aber nicht nur darum, die beiden zu verfolgen, bis sie sich am Ende vielleicht glücklich in die Arme schließen, es geht auch um Intrigen und den Machtkampf zweier gleichwertiger Gegner. Doch da der Anwalt schon zu Beginn des Films in einer kleinen Midlifecrisis steckt, sieht man bald, wer hier die Fäden in der Hand hält. Am Ende aber wartet auch diese Komödie mit einen schönen Schlußgag auf. Nun gilt es aber auch festzustellen, daß "Ein (un)möglicher Härtefall" nicht das Werk irgendeines Komödienspezialisten ist, sondern der neue Film von Ethan und Joel Coen. Diese sind ja mehr für abgründige und intelligente Filmkunst bekannt und haben sich bis jetzt noch nicht als reine Auftragsarbeiter Hollywoods versucht. Nun verlassen sie sich aber auf ein Drehbuch, welches zwar von Joel bearbeitet wurde, weshalb auch typische Coenszenen in dieser Komödie enthalten sind, doch ist dies sicherlich der Film der beiden Brüder, der sich um ein wirklich großes Publikum und großes Geld an den Kinokassen bemüht. Deshalb werden die Hardcorefans der Coens sicherlich enttäuscht sein und glauben, daß sich nun auch diese an Hollywood verkauft hätten. Vielleicht ist man ja wirklich ab und an auf einen finanziellen Erfolg angewiesen, um danach wieder das machen zu können, zu dem man wirklich Lust hat. Kollegen wie der langjährige Coen-Freund Sam Raimi drehte ja auch unlängst "Spider-Man" und produziert billige Fantasy-Fernsehserien und Tim Burton wird nicht ohne Grund seine Fans mit "Planet der Affen" so enttäuscht haben. Vielleicht will ich mir damit ja auch nur meinen Glauben an diese Könner des Filmgeschäfts erhalten, vielleicht sind aber diese manchmal, genau wie die weibliche Hauptfigur dieser Komödie, ab und an einfach nur hinter dem großen Geld her.