The Missing

Es ist dem Biß einer Klapperschlange und dem Rat eines Medizinmannes zu verdanken, daß Samuel Jones nach zwanzig Jahren wieder den Kontakt zu seiner Tochter und seinen Enkelkindern sucht. Dies erfährt der Zuschauer zwar erst viel später, doch beginnt der Western namens "The Missing" damit, daß Maggie Gilkeson, ihre Töchter und Brake, ihr Vormann, mit denen sie auf einer kleinen Farm im kargen Südwesten der Vereinigten Staaten lebt, plötzlich einen unerwarteten Gast zu Besuch bekommen. Samuel, der von seinem Äußeren und seiner Kleidung fast wie ein reiner Indianer aussieht, bei denen er auch viele Jahre gelebt hat, schafft es aber nicht, einen echten Kontakt zu seiner Tochter Maggie herzustellen, die bis dahin ein sehr hartes Leben geführt hat, das hauptsächlich ein einzigen Kampf ums Überleben war, bei dem es nur darum ging, sich und ihre Töchter irgendwie durchzubringen. Mit den Männern in ihren Leben schien sie nie glücklich geworden zu sein und dies gilt ganz besonderes für ihren Vater, der seine Frau und seine Kinder in Stich gelassen hatte. Bald wechselt ein Wort das andere und Samuel versteht, daß er auf der Farm nicht willkommen ist. Für eine Aussöhnung mit seiner Tochter scheint es keine Chance zu geben und so zieht er ohne viele Worte schnell weiter. Maggie kann sich nun wieder um ihre Familie kümmern und sie bekommt auch etwas Zärtlichkeit von Brake, der alles versucht, um Maggie glücklich zu machen. Eines Morgens ziehen Brake, der Hilfsarbeiter Emiliano und Maggies Töchter Dot und Lilly los, um ihre kleine Viehherde mit neuen Brandzeichen zu versehen. Am Abend sind diese noch nicht zurück und Maggie setzt sich mit einiger Sorge auf einen Stuhl vor ihre Farm. Am frühen Morgen des nächsten Tages kehrt nur Brakes Pferd zur Farm zurück und nun macht sich Maggie in verzweifelter Angst auf die Suche nach ihrer Familie. An dem Ort, an dem ihre Herde grast, bietet sich Maggie ein schrecklicher Anblick. Sowohl Brake als auch Emiliano findet sie tot und grausam zugerichtet vor. Nach einem kurzes Aufflackern der Hoffnung, als ihre jüngere Tochter Dot auftaucht, erklärt ihr Dot, daß Indianer dies getan haben und daß diese Lilly mitgenommen haben. Mit ihrer Tochter macht sich Maggie nun auf den Weg in die nächste Stadt. Ihre erste Vermutung, daß ihr Vater vielleicht etwas mit dem Vorfall zu tun hatte, bestätigt sich nicht, da dieser die Nacht wegen Trunkenheit im Gefängnis verbracht hat. Der Sheriff kann nichts weiter tun, als per Telegraph die Armee zu benachrichtigen, die sicherlich alles tun wird, um die Täter zu bestrafen. Ohne große Hoffnung, ihre Tochter Lilly lebend wiederzusehen, kehrt Maggie nun auf ihre Farm zurück und erhält kurze Zeit später Besuch von Samuel. Diesen bittet sie um einen einzigen Gefallen: er soll die Spur der Menschenräuber aufnehmen und sie und Dot werden ihn begleiten. Kurze Zeit später erreichen sie auf ihrer Suche eine Farm, deren Bewohner auch brutal ermordet wurden. Samuel glaubt, daß diejenigen, in deren Gewalt sich nun Lilly befindet, versuchen werden, Lilly irgendwo an der mexikanischen Grenze zu verkaufen. Es kommt zu einem Zwischenfall mit einem kleinen Trupp Soldaten, der für Samuel beinahe tödlich endet. Später erfahren sie weiteres über die Entführer. Es handelt sich dabei wohl um ehemalige indianische Späher der Armee, die desertiert sind. Da die Soldaten einen bestimmten Auftrag zu erfüllen haben, können auch diese Samuel und Maggie nicht weiterhelfen. Während diese weiter den Spuren der Entführer folgen, versucht Lilly aus eigener Kraft, ihren Peinigern zu entkommen, die von einem brutalen Schamanen namens Pesh-Chidin angeführt werden.

Alle Jahre wieder versucht der eine oder andere versierte Regisseur dem Western-Genre neues Leben einzuhauchen und so richtig zu verdenken ist dieser Versuch auch nicht, da dieses Gerne über einen Zeitraum von 50 Jahre gut funktioniert hat. Ron Howard, einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods, gelingt diese Wiederauferstehung auch wirklich gut und er zeigt auf beeindruckende Weise, mit welch einfachen Mitteln ein wirklich spannender und von guten Schauspielern getragener Film funktionieren kann. Außerdem ist es die Mischung aus Edelwestern und Indianerfilm, die mit Mitteln eines modernen Thrillers angereichert wird, die einiges dazu tut, daß man den Film über seine Gesamtlänge von 137 Minuten gebannt verfolgt. So trifft hier sozusagen "Erbarmungslos" auf "Der mit dem Wolf tanzt" und mit Cate Blanchett und Tommy Lee Jones wurden die richtigen Hauptdarsteller für einen solchen Film gefunden. Gegenüber Actionfilmen oder anderen Genres hat der Western als Filmgattung fast schon etwas Einzigartiges an sich. Entweder man wird von der Story, den Schauspielern und den Landschaftsaufnahmen gepackt oder eben nicht. Ist das letztere der Fall, dann haben fast alle an dem Film gearbeiteten Personen versagt. Bei einem Western kann man anders als bei einen Fantasy- oder Actionfilm neueren Datums nämlich den Zuschauer nicht mit coolen Typen oder tollen Stunts und Spezialeffekten blenden. Dafür läßt einen das Genre und seine engen Grenzen kaum Raum. Es darf Spannung erzeugt werden und die Charaktere können sich im Laufe der Handlung entfalten und selbst der Bösewicht darf böse sein. Dies alles kann aber nur durch den Einsatz recht einfacher Mittel funktionieren, ansonsten würde man dem Genre seinen ganz eigenen Zauber nehmen. "The Missing" ist hoffentlich nicht der letzte Film, bei dem dieser Zauber auf den Zuschauer überspringt.