Van Helsing

Stephen Sommers empfahl sich vor ein paar Jahren mit zwei außergewöhnlich erfolgreichen Filmen. Ohne großes Staraufgebot und mit vielen Spezialeffekten bastelte er sich aus dem alten Mumienmythos eine Geschichte zusammen, bei dem sowohl die Fans von Filmen wie Indiana Jones und Horrorfilmen gleichermaßen zufriedengestellt wurden. Die Filme hießen "Die Mumie" und "Die Mumie kehrt zurück". Da die Filme nicht nur an den Kinokassen, sondern sich auch als DVD super verkauften, war klar, dass ziemlich viele Studiobosse sich nun um diesen Mann reißen würden. So beschloss Universal ziemlich viel Geld in nicht nur einen neuen Film zu investieren, sondern in eine komplette Produktpalette. "Van Helsing" ist von Anfang an nicht nur als ein Film geplant gewesen, sondern auch als Ausgangspunkt für Computerspiele, eine Trickfilm-DVD und eine TV-Serie. Damit stand aber wohl auch schon ein festes Zielpublikum für diesen Film fest. Junge Menschen, die viel Zeit vor dem Computer und TV-Gerät verbringen. Sommers durfte dafür dann auch die ältesten Horrorgestalten der ehrwürdigen Universal Studios neu aufleben lassen und so trifft der Titelheld Van Helsing nicht nur auf den Vampir "Dracula", sondern auch auf Mr. Hyde, die Kreatur von Frankenstein und den Wolfmann. Es gibt also allerhand zu tun für den Geisterjäger Van Helsing und mit seiner Lauflänge von 131 Minuten hat der Film auch genug Raum für diese Auseinandersetzungen. Leider ist das Ergebnis nur etwas für Trickfilmfans. Die tollen Effekte stehen nämlich von Anfang an im Vordergrund und die Story kommt in kaum einen Augenblick an diese heran. Es ist auch nicht mehr der gleiche Wissenschaftler, der in den original Draculageschichten bei der Bekämpfung der Vampire half, der hier die Hauptrolle spielt. Der "neue" Van Helsing ist ein mysteriöser Fremder, der von einer Geheimorganisation des Vatikans damit beauftragt wird, das Böse in all seinen Formen zu bekämpfen. Wegen seiner grausamen Art und Weise, mit der er seine Aufträge ausführt, wird Van Helsing schnell zur meist gefürchtesten und gesuchten Person Europas. Nachdem es ihm gelungen ist, in Paris Mr. Hyde zu besiegen ("Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman" lässt grüßen), bekommt er einen neuen Auftrag. Die letzten Nachfahren des transsilvanischen Adels scheinen ihren Kampf gegen das Böse zu verlieren. Da Prinzessin Anna Valerious nach dem Verschwinden ihres Bruders auf verlorenen Posten steht und einen Kampf führt, den sie früher oder später verlieren wird, wird nun Van Helsing nach Transsilvanien geschickt, um dort mit Dracula abzurechnen, der gemeinsam mit seinen Bräuten die Bewohner terrorisiert. In der Folge schlägt sich nun Van Helsing mit einem Vampir herum, der noch nicht einmal stirbt, wenn man ihm einen Holzflock durchs tote Herz stößt und mit einer Zigeunerprinzessin, deren Vertrauen er erst erkämpfen muß.

Dies hätte ja ein netter Horror- & Abenteuerfilm werden können, leider sind aber die Dialoge und die Schauspieler so schlecht, wie man es sonst nur von wirklich billigen Filmen gewohnt ist. Da bekommt ein noch recht unbekannter Schauspieler die Chance als Dracula zu brillieren und dieser macht nichts daraus. Da bleiben einem nur noch die Schauwerte des Films und diese sind wirklich gut, aber auch nicht innovativ. Mr. Hyde sieht aus wie der böse Bruder des Hulks, die Vampire und Werwölfe gab es letztens wohl in ähnlicher Form schon in "Underworld" zu sehen usw. Nur die liebenswürdige Art und Weise, wie hier die Kreatur von Frankenstein dargestellt wird, kann ein Schmunzeln hervorrufen. So darf man gespannt sein, ob die Zielgruppe diesen Film trotzdem anschaut und ob sich all die Träume der Marketingexperten von Universal erfüllen. Stephen Sommers sollte in der Zwischenzeit ein paar Lehrgänge besuchen, deren Thema lauten könnten: "Wie schreibe ich gute Dialoge für mittelmäßige Geschichten" oder "Wie motiviere ich Schauspieler, damit diese ihre Rolle auch ernst nehmen, obwohl der Film, in dem sie mitspielen, nicht sehr ernsthaft ist".