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Hellboy
Fischmenschen, wahnsinnige Propheten, Lovecrafts "Große Alte", Höllenhunde,
unsterbliche Nazis und ein rotfarbener Held mit Teufelshörnern. Ganz recht,
bei Guillermo Del Toros "Hellboy" handelt es sich um eine Comicverfilmung
die, ganz wie ihre Vorlage, fest in den Traditionen amerikanischer Pulp-Literatur
verwurzelt ist. Das ist automatisch erst einmal weder gut noch schlecht.
Del Toro, der mit dem fetzigen, aber etwas absehbaren und sinnfreien Actionsequel
"Blade II" und dem vielgelobten Horrorfilm "The Devil's Backbone" bekannt
geworden ist, ist aber auf jeden Fall den richtigen Weg gegangen, indem
er nicht versucht hat, das Konzept herunterzufahren und damit unter Umständen
massenkompatibler zu machen, sondern zu den Absonderlichkeiten des Konzepts
zu stehen. Dass er das trotz eines relativ hohen Budgets tun kann, ist
mit Sicherheit dem aktuellen Erfolg von Comic- und Fantasyverfilmungen
zu danken, denn die Handlung hört sich erst einmal etwas absonderlich
an: Während des 2. Weltkrieges versucht der Magier Rasputin in Zusammenarbeit
mit den Nazis ein Tor zur Hölle zu öffnen. Dem Okkultismusspezialisten
Dr. Broom gelingt es, das Tor in letzter Sekunde zu schließen, bevor irgend
etwas Entsetzliches, das eben schwer an Lovecrafts mystische Götter erinnert,
in unsere Realität gelangen kann. Etwas anderes ist aber doch durchgekommen:
ein kleines, rotes, behörntes Baby, das die amerikanischen Soldaten um
Dr. Broom scherzhaft Hellboy taufen. Jahrzehnte später arbeitet Hellboy
für Dr. Broom innerhalb des "Bureau of Paranormal Research and Defense",
kurz BRPD, das eine Art FBI für's Übersinnliche darstellt. Zu Hellboys
Kollegen gehören neben menschlichen Agenten auch der Fischmensch Abe Sapien
und die Pyrokinetin Liz Sherman. Für alle, die nicht fleißig genug Akte
X geschaut haben: Pyrokinese ist die Fähigkeit, durch Gedankenkraft Feuer
zu erzeugen. Leider hat Liz diese Kräfte nicht immer unter Kontrolle,
weshalb sie völlig traumatisiert und freiwillig in die Klapse gegangen
ist. Jedenfalls haben Hellboy und seine Kollegen bald alle Hände voll
zu tun, als der glitschig-eklige, sich ständig vermehrende Dämon Sammael
auftaucht. Vor allem als sich herausstellt, dass auch Rasputin wieder
da ist und das Erscheinen Sammaels mit dessen Plänen für das Ende der
Welt zusammenhängt.
Bezugspunkt für die Zusachauersicht ist bei alledem der frisch dem
BRPD zugeordnete junge Agent John Myers, der Hellboys Betreuer werden
soll. Myers ist außerdem die dritte Ecke einer Dreiecksgeschichte: er
verliebt sich in Liz, in die allerdings Hellboy ebenfalls verliebt ist.
Womit ein weiteres wichtiges Element des Films angesprochen wäre: Hellboy
ist neben Horrorfilm und Actionkomödie auch eine Romanze. Das ist ein
eigenwilliger Mix und zuweilen hat man den Eindruck, dass Del Toro den
Charakteren etwas mehr Raum hätte einrichten sollen. Die Action selbst
sieht oft erstaunlich gut aus; zumindest sind die Special Effects wesentlich
besser als die in dem um einiges teureren Spiderman 2. Dafür sind sie
nicht unbedingt sehr logisch aufgebaut: da rutschen Leute unter Falltüren
durch, die offenbar zwischendurch mal eine Pause eingelegt haben, weil
sie sonst schon längst geschlossen wären oder ganze Räume werden ausgebrannt
und ein dicker Stein reicht als Flammenschutz problemlos aus. Das Horrorelement
hingegen ist wieder überzeugend: die Kreatur Sammael und das Böse jenseits
des Tores sind optisch beeindruckend und wenn der klingenschwingende,
unsterbliche Nazisoldat Kroenen seine Maske abnimmt, sieht das ebenfalls
schön schrecklich aus. Dass Kroenen durch ein mechanisches Uhrwerk angetrieben
wird und sich regelmäßig durch das mehrfache Drehen eines Schlüssels wieder
aufziehen muss zeigt wiederum einen eigenartigen Sinn für Selbstironie
- als Zuschauer muss man sich eben entscheiden, ob man das jetzt bescheuert
oder lustig findet. Was an Hellboy letztlich am meisten Spaß macht ist
der Charakter selbst und seine durchweg gelungene Darstellung durch Ron
Perlman, einen der vielbeschäftigsten Nebenrollendarsteller in Hollywood,
der auf diese Weise endlich mal zu einer Hauptrolle kommt. Dem deutschen
Publikum ist er wahrscheinlich am ehesten noch als buckliger Mönch aus
"Der Name der Rose" in Erinnerung. Perlmann hat sichtbare Freude an der
Verkörperung des ruppigen Hellboy, sowohl was dessen brutale, ruppige
Seite angeht als auch die witzige und die sensible. Hellboy ist ein Abenteuerfilm;
trotz seines Titels steht er mehr in der Tradition von Indiana Jones als
dass er an irgendwelche Horrorfilme erinnert. Und glücklicherweise ist
Hellboy als Abenteuerfilm durchweg gelungen: es gibt einen interessanten
Helden, die Lacher funktionieren und optisch ist der Film immer interessant.
Was umso besser ist, da der zweite Teil bereits in Planung ist. Christian
Ulmke
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