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Im Netz der Spinne (Along Came A Spider)
Im Netz der Spinne ist die zweite Verfilmung der Alex-Cross-Romane von
James Patterson. Die erste Verfilmung hieß Denn zum Küssen sind sie da
und in beiden Filmen spielt Morgan Freeman die Rolle des Polizeipsychologen
Alex Cross. Eigentlich ist Im Netz der Spinne dabei das erste Buch aus
der Serie und der zuerst verfilmte Denn zum Küssen sind sie da der Nachfolger.
Für den Film spielt das allerdings keine Rolle.
In diesem Film ist Alex Cross Gegenspieler ein Kidnapper, dem es durch
geduldiges, jahrelanges spinnen seiner Netze gelungen ist, die Tochter
eines Senators aus einer Hochsicherheitsschule zu entführen. Alex Cross
ist derweil eigentlich im Ruhestand, seit bei einer misslungenen Aktion
seine Partnerin getötet wurde. Er kommt jedoch wieder ins Spiel, als der
Kidnapper Gary Soneji [gesprochen: Sandschie] ihn persönlich anruft und
ihm einen Schuh des Mädchens zukommen läßt. Cross, der auch ein erfolgreicher
Autor von Büchern über Serienkiller ist, stellt bald die Theorie auf,
dass Soneji nicht auf Erpressung aus ist, sondern das perfekte Verbrechen
nach dem Vorbild der Lindbergh-Entführung begehen will und dass er Cross
ins Spiel gebracht hat, um einen würdigen Biographen zu haben. Bei der
Jagd auf den Killer hilft die Secret-Service-Agentin Jezzie Flannigan
(gespielt von Monica Potter), die ursprünglich für den Schutz des Mädchens
zuständig war, dem Polizeipsychologen.So entwickelt sich der Thriller
dann weiter: man sieht das Mädchen in den Händen des Killers und seine
verzweifelten Fluchtversuche, während das Cop-Team ebenso verzweifelt
versucht, alles über den Täter zu erfahren. Dann stellt sich heraus, dass
der Täter noch einen viel weitreichenderen Plan hat, und zum Ende hin
gibt es noch eine Überraschung. Die ist aber nicht wirklich überraschend,
weil es bei Thrillern immer am Ende eine Überraschung gibt und die ist
in diesem Film doch eher billig geraten.
Im Netz der Spinne ist ein Film, der eigentlich alle Zutaten zu einem
soliden Thriller hat, dem man zumindest wirklich gespannt zuschauen kann:
einen schön wahnsinnigen und ambivalenten Mörder, ein paar Überraschungen,
das Cop-Team aus erfahrenem Detektiv und junger gutaussehender Kollegin
und die eine oder andere Action-Szene. Aber irgendwie will alles nicht
so recht zusammenpassen. Michael Wincott gibt zwar einen guten Psychopathen
ab, aber das hilft wenig, weil keine Dynamik zwischen ihm und dem Detektiv
entsteht. Diese Dynamik war es schließlich, was Schweigen der Lämmer so
erfolgreich gemacht hat. Der Twist am Ende wirkt nun wirklich ganz schön
an den Haaren herbeigezogen. Und so richtig spannend wird es zwischendurch
irgendwie auch nicht. Letztendlich sind die logischen Fehler, über die
man ja auch gerne mal hinwegsieht, in Im Netz der Spinne auch zu gehäuft,
um sie zu ignorieren. Im Netz der Spinne ist dabei immer noch ein passabler
und unterhaltsamer Thriller, der, soweit man nichts Besonderes erwartet
und für einen Abend mit Standartkost zufrieden ist, immerhin zu empfehlen
ist.
Christian Ulmke
Anmerkung. Die Umsetzung der wirklich spannenden und voller Überraschungen
steckenden Romanvorlage ist wirklich nicht sehr gelungen. Wer vorher den
Roman gelesen hat, dem wird nicht viel Spannendes geboten. Das zeigt sich
schon daran, daß der im Buch ständig agierende Kidnapper, der wirklich
bereit ist, sein ganzes bisher gelebtes Leben für sein Ziel total auf
den Kopf zu stellen, nun im Film mehr der typische Psychopath ist, den
man auch aus TV-Serien wie "Profiler" und "Millenium" kennt. Auch daß
zwei Romane später genau dieser Gary Soneji wieder das Leben von Alex
Cross auf dem Kopf stellt, zeigt wie bedrohlich diese Person für unseren
Helden ist. Irgendwie wird auch nicht das Potential des Charakters Alex
Cross vom Drehbuch ausgeschöpft, so wird seine Familie und sein lebenslanger
Partner Sampson total aus dem Film ausgeschlossen. Und da der Roman wie
gesagt viel mehr an Spannung zu bieten hat, kann ich dem echten Thrillerliebhaber
diesen viel mehr empfehlen als das Anschauen des Films. Dagegen war dann
"Denn zum Küssen sind sie da" noch eine viel bessere Adaption eines Alex
Cross Romans. Jörg Kluge |