Im Fadenkreuz-allein gegen alle Behind Enemy Lines

Wem der Kosovo-Konflikt immer zu kompliziert war, um den Verlauf und die Auseinandersetzung unter den verschiedenen Gruppen richtig zu begreifen, hat jetzt kein Problem mehr: wer "Im Fadenkreuz" gesehen hat, weiß, dass es eigentlich nur zwei Seiten gab: Die Guten (die Amerikaner) und die Bösen (alle anderen). Chris Burnett (Owen Wilson, bisher eher bekannt aus Komödien wie "Shanghai Noon" und "Zoolander") ist Pilot bei den US-Streitkräften und im Rahmen des Kosovo-Konflikts auf einem Flugzeugträger stationiert. Da leider schon die Friedensverhandlungen stattfinden, hat er außer Footballspielen und Sprücheklopfen nicht viel zu tun. Das hier so gar nichts passiert und nicht mehr ordentlich gebombt wird frustriert ihn so sehr, dass er schon den Dienst quittieren will, als er dann endlich doch abgeschossen wird, und zwar von kettenrauchenden fiesen Serben, die von ihm bei einem Aufklärungsflug bei ihren finsteren Plänen fotografiert wurden. Die Serben sind dermaßen gemein, dass sie seinen Copiloten einfach erschießen, und so ist Burnett allein hinter feindlichen Linien auf sich gestellt. Nur Gene Hackman als väterlicher General am Funkgerät tut sein bestes, ihm zu helfen, wird dabei aber ständig von dem doofen französischen General gestört, weil die bornierte Nato die Amis nicht alles alleine machen will. Derweil schleppt sich Burnett durch das zerbombte Feindgebiet, wird ständig beschossen und fällt in Massengräber. Alles hübsch furchtbar, aber der amerikanische Held wird's schon richten.

"Im Fadenkreuz", man merkt es schon, ist ein Kriegsfilm der altmodischen amerikanischen Art: Heldenbeweihräucherung, markiges Sprücheklopfen etc. steht im Vordergrund. Von Spielbergs Private Ryan hat man lediglich die wumsigen, pseudodokumentarisch gefilmten Explosionen mit viel Kamerawackeln abgeguckt, ansonsten hat der Film mehr mit Rambo III gemein. Immerhin knallt und wumst es dafür ordentlich; bei den fetten Explosionen und den schicken slow/fast motion - Effekten kommt bei Regisseur John Moore der Ex-Werbefilmer durch. Wer also nur pure Action sehen will und sich an dämlichen Armeeklischees nicht stößt, kommt durchaus auf seine Kosten. Sollte man aber den Fehler begehen, seinen Verstand einzuschalten, wird sich über den Film ärgern müssen. Die verkitschte Kriegssichtweise wäre dabei nur halb so schlimm, wenn nicht ein tatsächlich stattgefundener Krieg als Hintergrund dienen und auf dreist-voyeuristische Weise für stumpfen Patriotismus und Heldenverehrung ausgenutzt würde. Letztendlich wird in "Im Fadenkreuz" echtes Leid letztendlich zynisch missachtet und als Hintergrund für naive Schwarz/Weißmalerei missbraucht.