The Deep End

Verzweiflungstaten und ihre Folgen waren für Thriller schon immer eine gute Ausgangsbasis. Nun ist es diesmal nicht der typische Verlierertyp, der es schon in den 50er Jahren schwer hatte, sich bis zum Ende des Films zu retten. Diesmal ist es eine Mutter, die ihrem Sohn helfen muß, damit dieser nicht zum Opfer wird. Der Sohn ließ sich auf eine Liebesbeziehung mit einem Nachtclubbesitzer ein. Dieser verführte den Jungen nicht nur, sondern scheint ihn auch immer mehr in Gefahr zu bringen. Die Mutter sieht eines Nachts keinen Ausweg mehr und verhindert das Schlimmste. Nun aber hat sie einen Toten am Hals, nach dem gesucht werden wird. Dann wird sie auch schon das Opfer eines Erpressers. Er will Schweigegeld und dies so schnell wie möglich. Doch wo soll Margaret Hall plötzlich 50 000 Dollar hernehmen? Zu einer Abbuchung in dieser Höhe braucht sie die Unterschrift ihres Mannes, der sich zur Zeit auf hoher See befindet. So muß sie einen Weg finden, bei dem sie sich gleichzeitig wie bisher ihre Familie widmen muß und den Erpresser zufrieden stellen muß. Doch da der Mann, der von Margaret das Geld verlangt, nur ein Handlanger des eigentlichen Erpressers ist und dieser sogar das Herz am rechten Fleck zu haben scheint, bildet sich daraus eine recht ungewöhnliche Beziehung.

Daß die Mutter von Tilda Swinton gespielt wird, gibt dem Film von Anfang an etwas ganz Besonderes. Sie ist eine der herausragenden Darstellerinnen des englischsprachigen Films. Daß dieser Film für einen Thriller ungewöhnlich undramatisch und nicht effekthascherisch ist und damit mehr zum persönlichen Drama wird, gibt ihm eine weitere besondere Note. Es kommt in "The Deep End" auf die Schauspieler und die von Filmemacher David Siegel erzeugte Atmosphäre an. Für die weiblichen Zuschauer mag es da von Vorteil sein, daß der eigentlich nicht unsympathische Erpresser von Goran Visnijic gespielt wird, der ja schon als Arzt in der Serie "E.R." das Ausscheiden von George Clooney erträglich machte. Wer also einen Thriller sehen will, der eigentlich für einen solchen viel zu ruhig ist, aber von guten Schauspielern getragen wird und dazu noch recht realistisch erscheint, der auch endlich mal auf einen übertriebenen und nie endenden Showdown verzichtet, dem sei dieser Film wirklich sehr empfohlen.