Texas Story (A Texas Funeral)

Es ist ein Tag der großen Geständnisse, Abrechnungen und Offenbarungen. Es ist Ende der sechziger Jahre und die texanische Großfamilie Whit ist zur Beerdigung ihres Patriarchen, Großvater Sparta, versammelt. Aber wie man sich vorstellen kann, handelt es sich weder um eine normale Beerdigung noch um eine normale Familie. So beobachtet der sechsjährige Sparta Whit Junior, der Enkel des Verstorbenen seine Großmutter dabei, wie sie dem Leichnam ein Ohr abschneidet; seine Tante Miranda Whit muß aus der Nervenheilanstalt abgeholt werden und bei der Testamentsverlesung wird eine Beichte des Toten Sparta verlesen, die jahrzehnte alte Wunden wieder aufreißt.

Die vielen skurrilen und oft auch überaus komischen Dinge, die im Verlauf dieses Tages geschehen, und die vor allem mit Ohren und Kamelen zu tun haben, verstellen in Texas Story aber nicht den Blick auf das texanische Familienleben, sondern unterstützen ihn. Durch den Umweg über die Schaffung von absurden Familienmythen und -legenden, gelingt es dem Regisseur und Drehbuchautor William Blake Herron überzeugend, die Struktur einer Großfamilie aufzuzeichnen, in der jede der Figuren ihre Geheimnisse hat, die sie verbirgt und die sie im Laufe des Films freigeben muß. Dabei gelingt es ihm vor allem zum einen, all die klassischen negativen Seiten des texanischen Landlebens mit aufzuzeigen: geradezu selbstverständlicher Rassismus, die Liebe zu Schußwaffen, übersteigerter Patriotismus, religiöser Fanatismus, sexuelle Heuchlerei und vieles mehr. Das Kunststück des Films ist aber, dass er sich nicht in destruktivem Zynismus erschöpft, sondern die Charaktere dem Zuschauer trotzdem verständlich und letztendlich sympathisch werden. In dieser Hinsicht hat Texas Story viel mit dem verdientermaßen erfolgreichen American Beauty gemein. Einziger Wermutstropfen ist, dass Herron zuweilen dazu neigt, zu versöhnlich zu werden und dadurch an einigen wenigen Stellen nicht mehr wirklich überzeugend -und sogar schnulzig- wird. Dennoch ist Texas Story ein kleines Meisterwerk, das uns die Seele dieses uramerikanischen Staates zugleich kritisch, humorvoll und versöhnlich näherbringt. Und ein besonderer Bonus des Films ist, dass gleich zwei gute Schauspieler wieder im Kino zu sehen sind, mit deren Karriere es in den letzten Jahren böse abwärts gegangen ist: Martin Sheen als Großvater Sparta Whit und Robert Patrick (der T-1000 aus Terminator 2) als dessen Sohn Zack Whit.