XXX (Triple-X)

"Triple-X" beginnt mit der Reminiszenz an eine berühmte James Bond-Szene, die auch schon in James Cameron's "True Lies" zitiert wurde: ein Geheimagent, der gerade einen Gegner zur Strecke gebracht hat, entledigt sich seines Kampfanzuges und trägt darunter einen perfekt sitzenden Smoking. Im Falle von James Bond und "True Lies" handelte es sich um einen Tauchanzug, aber in beiden Fällen mischt sich der Geheimagent in seiner Abendgarderobe sofort unauffällig unter die Gäste einer High-Society-Party. In "Triple-X" hingegen betritt der Agent einen Club, in dem gerade die deutsche Industrial-Band Ramstein auftritt und die Gäste tätowierte Freaks sind. Der Agent sticht sofort heraus und wird erledigt.

Die Anfangszene ist damit Kampfansage und Hommage zugleich: "Triple-X" ist im Wesentlichen ein James Bond-Film. Dieselbe Struktur, dieselben Elemente - wie Autos, die Raketen abschießen, wahnsinnige weltbedrohende Terroristen, Auto- und Schneepisten-Verfolgungsjadgen etc. Der Unterschied ist nur, dass der "Held" des Films, "Triple-X", kein aristokratischer Sektschlürfer ist, sondern ein muskelbepackter, tätowierter Adrenalinjunkie - eine Rolle, die auf Vin Diesel, der zusammen mit dem Regisseur von "Triple-X" schon mit "The Fast and the Furious" einen Überraschungserfolg gelandet hat, perfekt zugeschnitten ist. Die Handlung ist natürlich bestenfalls Nebensache: da der amerikanische Geheimdienst NSA mit den eigenen Geheimagenten keinen Erfolg damit hat, einen Mann in die Terroristengruppierung "Anarchy 99" einzuschleusen, beschließt der NSA-Agent Gibbons - gespielt von Samuel L. Jackson - , es mit jemanden zu versuchen, der aus einem ähnlichen Milieu stammt wie die proletarischen Terroristen. Der Extremsportler Xander Cage wird nach einem kombiniertem Autodiebstahl- und Crash einkassiert und eher unfreiwillig als Agent nach Prag geschickt, um die Terroristen zu infiltrieren.

Was dann weiter geschieht, ist eigentlich nicht so wichtig; auf jeden Fall gibt es haufenweise Explosionen, diverseste einfallsreiche Actionszenen, lustige Sprüche und ein wenig Sex - ganz wie man es von einem James Bond-Film erwarten würde, wenn denn mal wieder ein guter in die Kinos käme. "Triple-X" ist aber selbstironischer, unbekümmerter und vitaler, als man den britischen Gentleman seit Ewigkeiten gesehen hat und macht dementsprechend mehr Spaß. Ein kleiner Bonus für deutsche Filmfans ist es, dass Richy Müller eine zwar nicht gerade ausgefallene oder allzu interessante, aber immerhin doch größere Rolle als tschechischer Geheimpolizist spielt. Christian Ulmke