Der Felsen

Dominik Graf ist vor allem durch seine Genrefilme für TV und Kino bekannt geworden und so verwundert es schon, daß er plötzlich zur hip gewordenen Digital-Videokamera greift, um eine mit viel Symbolkraft angereicherte und doch einfache Geschichte über eine Frau auf der Suche nach sich selbst zu erzählen.

Die Suche beginnt damit, daß die Frau von ihrem Geliebten bei einem gemeinsamen Aufenthalt auf der Insel Korsika erfährt, daß dieser zu seiner schwangeren Frau zurückkehren wird. Nach dem Arbeitsurlaub wird ihre Beziehung beendet sein. Verzweifelt versuchen die beiden nun die Vergänglichkeit ihrer Liebe mit Inhalt und Leidenschaft zu füllen, doch ist der Schmerz für beide zu groß. So beschließt der Mann, vorzeitig abzureisen, damit das gemeinsame Leiden ein Ende hat. Alleine und zurückgelassen läßt sich Katrin in das Treiben auf der Insel fallen. Sie lernt einen wilden Jugendlichen kennen, den sie aber in einer Disco aus den Augen verliert, nur um sich kurz darauf mit zwei Sicherheitsbeamten auf ein kleines erotisches Spiel einzulassen, bei dem sie von einem unbekannten Dritten beobachtet werden. Malte, so der Name des Jugendlichen, der zusammen mit anderen Jugendlichen in einem Camp lebt und über den der Zuschauer nach und nach immer mehr erfahren wird, ist von der Begegnung mit Katrin nachhaltig beeindruckt. Er beginnt sie aufs neue aufzusuchen und nun geraten die beiden in eine Odyssee der Gefühle, der Sinnlichkeit und auch der Gewalt, nur um nach und nach von der Wirklichkeit eingeholt zu werden, der sie nicht entkommen können.

Das Format des Films, das sofort an die skandinavischen Dogma-Filme erinnert und das aber durch eine zusätzliche Dramatisierung durch Off-Kommentare und den Einsatz der Musik sich immer wieder gegen das Einfache auflehnt, wirkt stellenweise, genau wie einige doch recht überflüssige Szenen, wie das erotische Spiel mit den Gendarmen, recht aufgesetzt. Trotzdem ziehen die Schicksale des Jugendlichen und der Frau einen nach und nach in ihren Bann, was nicht zuletzt der guten Darstellerleistungen der beiden Hauptdarsteller Karoline Eichhorn und Antonnio Wannek zu verdanken ist, so daß man geduldig bis zum Ende der Geschichte ausharrt, die durchaus herausragende Filmmomente aufzuweisen hat. "Der Felsen" ist sehenswert und zeigt auch wieder, daß es fern von den typischen Liebesgeschichten und Komödien immer wieder Filme aus Deutschland gibt, bei denen sich die Filmemacher und sein Team ein wenig mehr wagen, als es für ein Fernsehspiel oder einen Kinofilm üblich ist.