|
|
Letzte Runde
Jack ist tot. Seine Freunde und sein Sohn, mit denen der Metzger viele
Nächte im Pub verbracht hatte, treffen sich eines Morgens in diesem, um
mit der Asche des Verstorbenen eine Reise anzutreten. Dem letzten Wunsch
des Verstorbenen nachkommend, fahren sie an diesem Tag zum Seebad Margate,
um dort die Asche von Jack zu verstreuen. Nach und nach gehen die einzelnen
Reisenden aber auch in ihre eigene Vergangenheit zurück und erinnern sich
nicht nur an ihr Leben mit dem jüngst Verstorbenen, sondern auch an die
Träume und Wünsche, die sich nicht so recht erfüllen wollten. Auch Jacks
Ehefrau Amy hat sich wie jede Woche auf den Weg gemacht. Sie besucht ihre
geistigbehinderte Tochter, von der ihr Mann nichts wissen wollte. Nach
und nach setzt sich aus dem von den Männern und der Frau Erzählten und
Erlebten ein neues Bild zusammen und am Ende verdeutlicht sich das enge
Beziehungsgeflecht, in dem sich die Protagonisten befinden.
"Letzte Runde" ist ein Ensemblefilm, bei dem schon alleine die Namen
der hier mitmachenden britischen Leinwandgrößen jeden Arthouse-Besucher
in Verzückung bringt. Und tatsächlich ist der Film mit Michael Caine,
Bob Hoskins, David Hemmings, Tom Courteney und Helen Mirren ungewöhnlich
gut besetzt. Jeder der in die Jahre gekommenen Schauspieler hat mindestens
einen Film gemacht, der in die Filmgeschichte eingegangen ist. Mit Fred
Schepisi gesellt sich dann noch ein australischer Meisterregisseur zu
der Runde und die Vorlage des Autors Graham Swift ist auch preisgekrönt
und somit müßte dabei ein herausragender Film entstehen. Bei britischen
Filmen, die sich um normale Pubbesucher und deren nicht immer einfaches
Leben drehen, erwarten das Publikum aber einen zwar sehr menschlichen,
aber doch humorvollen Film und dies ist "Die letze Runde" schon einmal
nicht. Wer auf Michael Caine, nach Filmen wie "Little Voice" und "Gottes
Werk und Teufels Beitrag", als Blickfang hofft, der wird auch enttäuscht,
da dieser eigentlich viel zu wenig auftaucht und auch keinen wirklich
sympathischen oder verschrobenen Menschen spielen darf. Der Film legt
mehr Wert auf "normale" Menschen, die nicht bei jedem Besuch im Pub einen
tollen Witz nach dem anderen erzählen und deren Lebensgeschichte auch
nicht aus dem der Masse herausragt. Trotzdem gelingt es dem Film, wenn
man sich auf ihn einläßt, daß man den Charakteren näher kommt und zu einigen
entwickelt sich dann auch eine herzliche Sympathie. Zwar nimmt der Film
in den Rückblenden den Betrachter auch auf eine Reise in die britische
Seele mit, doch gerade in den Szenen während der Kriegsjahre, wenn der
junge Jack mit seinen neuen Kumpel in ein exotisches Bordell zieht, darf
man ihn nicht gerade mehr bierernst nehmen. Da scheinen ein paar Erinnerungen
wirklich die Realität zu verändern. Etwas anders muß man aber noch über
die Rückblenden berichten, nämlich, daß die jungen Schauspieler, die dann
in die Rollen der Protagonisten zu sehen sind, von Talent und Spiel her
den Alten in nichts nachstehen.
|