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Epsteins Nacht
Ein Mann läuft mit einen Koffer beladen durch die Stadt. Er betritt eine
Wohnung und er denkt zurück. Zurück an eine Nacht vor fast genau 15 Jahren.
Damals war Jochen Epstein ein angesehener Mann, der zusammen mit seinen
Freunden Adam und Karl Rose die Bekannten aus der Nachbarschaft auf eine
Weihnachtsfeier zu sich eingeladen hat. Deshalb verwundert es auch nicht,
daß die drei älteren Herren einen Weihnachtsbaum durch die Straßen von
Berlin schleppen, obwohl sie Juden sind. Am Abend, die ersten Gäste sind
schon da, bittet Paula, die bei dem Empfang den Herren aushilft, darum,
daß jemand ihre Tochter Katharina nach Spandau bringt, wo sie im Kinderchor
bei der Christmette mitsingt. Adam, der Paula keinen Wunsch ausschlagen
kann, der Paula auch immer mal Hannah nennt und einen leicht verwirrten
Eindruck hinterläßt, nimmt sich der Bitte an und so bleibt es aber an
Jochen hängen, das Mädchen und Adam nach Spandau zu bringen, da Adam gar
keinen Führerschein besitzt. In der Kirche passiert etwas, daß das Leben
für Jochen und seine beiden Freunde, die er schon seit seiner Kindheit
kennt und mit denen er auch die Kriegsjahre im Lager Birkenau verbracht
hat, für immer verändern wird. Jochen und Adam glauben in dem Priester,
der die Messe abhält, Hauptsturmführer Giesser zu erkennen. Für die Männer
und den Priester beginnt eine lange Nacht, in der sie sich nach und nach
ihre schlimmsten Geheimnisse offenbaren.
Schauspielernamen wie Günter Lamprecht, Mario Adorf und Bruno Ganz
findet man auch heute nicht oft in der Besetzungsliste eines einzigen
Films. Unterstützt werden diese von Otto Tausig, der Französin Annie Girardot
und Nina Hoss. Heraus kommt ein teils beklemmendes, teils sehr gefühlvolles
menschliches Drama und ein Stück Geschichtsbewältigung. Der Filmemacher
Urs Egger, der schon für seinen Fernsehnzweiteiler "Opernball" gerühmt
wurde, benutzt zwar immer dann, wenn die Geschichte in die Vergangenheit
zurückblickt, ein zu einfach und daher doch eher billig wirkendes Stilmittel,
durch den der Film manchmal etwas an Kraft zu verlieren droht, doch wird
dieses Manko immer durch die schon erwähnten Darsteller problemlos ausgebügelt.
Somit ist "Epsteins Nacht" wunderbares deutschsprachiges Erzählkino, das
es nicht verdient hätte, nur im Fernsehen aufgeführt zu werden. Da gibt
es zwar andere, oft noch sehr viel kleinere Produktionen, deren Kinoauswertung,
wenn es zu dieser überhaupt kommt, schon nach ein paar Wochen beendet
zu sein scheint, die vielleicht noch ungezwungener und innovativer erscheinen,
doch sollte man "Epsteins Nacht" nicht als plakativ oder publikumsfreundlich
hinstellen, nur weil ein paar Publikumslieblinge in diesem Film mitspielen.
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