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Happy Times
Zhao ist nicht mehr der Jüngste und schon seit Jahren auf der Suche nach
der Frau fürs Leben. Mittlerweile ist er dabei nicht mehr wählerisch;
jede Frau wäre ihm recht, solange er eine finden könnte, die ihn auch
haben will. Leider ist das für einen pensionierten Fabrikarbeiter gar
nicht so einfach. Seine momentane Verlobte ist ziemlich dick, unwirsch
und dazu auch noch geldgierig. Da Zhao aber nun einmal unbedingt heiraten
will, erzählt er ihr, dass er sehr wohlhabend sei, doch dann soll er das
mit einer teuren Hochzeitsfeier beweisen. Da Zhao keine Ahnung hat, wie
er an das Geld dafür kommen soll, lässt er sich auf den verrückten Plan
seines Freundes Li ein: die beiden bauen einen abgewrackten, alten Bus,
der in einem Park vergessen wurde, in ein Stundenhotel für Pärchen um.
Getreu seiner Neigung zum Übertreiben erzählt Zhao seiner Verlobten, er
sei Manager eines Hotels und bekommt prompt deren blinde Stieftochter
aufgedrückt: er soll ihr einen Job in seinem Hotel beschaffen. Eine blinde
Aufpasserin für ein Stundenhotel scheint gar keine schlechte Idee - aber
als Zhao mit dem Mädchen dort auftaucht, wird der Bus gerade von den Behörden
abtransportiert. In einem verzweifelten Versuch, seine Lügengeschichten
aufrecht zu erhalten, baut Zhao mit Hilfe von ein paar Freunden eine Scheinwelt
für die blinde Wu Ying auf, in der sie als Masseuse in einem großen Hotel
arbeitet, und mit der Zeit entwickelt sich zwischen dem von ihrer Stiefmutter
misshandelten Mädchen und dem naiven Zhao eine Art von Vater-Tochter-Beziehung.
Der Titel des Films, "Happy Times", ist auch der Name des Stundenhotels
das Zhao und Li eröffnen, und zugleich das Thema des Films. Es geht um
die wenigen Momente des Glücks, die der Film für Zhao und Wu Ying bereit
hält, und von denen wir schon ahnen, dass sie nicht anhalten werden: die
glücklichen Zeiten können für diese Menschen in der Welt, in der sie leben,
nur vorübergehend sein. Umso intensiver erlebt man diese kurzen Momente
mit den Figuren mit und wünscht sich für sie ein Happy End, von dem man
weiß, dass es eine Lüge wäre. Denn die Figuren sind auf naive Art und
Weise menschlich in einer Welt, in der diese Art von Menschlichkeit nichts
mehr zählt. Und damit ist nicht nur China gemeint; die Handlung könnte
in jedem Modernen Industriestaat spielen. Zhang Yimou, der hierzulande
für sein vielfach preisgekröntes Regiedebüt "Die Rote Laterne" bekannt
ist, erzählt seine Geschichte mit großer Ruhe und Intensität und verlässt
sich dabei auf die Überzeugungskraft seiner Schauspieler. Ohne jede Rührseligkeit
erzählt er eine Geschichte, die eben daraus ihre emotionale Kraft und
Konsequenz gewinnt. "Happy Times" ist ein kleines Meisterwerk.
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