Good Bye Lenin!

Christiane Kerner erwacht aus dem Koma. Sie hatte ihren letzten Lebensabschnitt damit verbracht, das Leben der Bürger der Deutschen Demokratischen Republik gerechter zu gestalten. Dabei hat sie aber niemals die Liebe an das vorhandene Staatssystem aufgegeben. Ihr Mann hatte das Land verlassen, angeblich um im Kapitalismus mit einer anderen Frau zusammen zu sein. Sie hat zwei Kinder. Einen Sohn, der den erfolgreichsten Tag der DDR, als sich ein Bürger des Landes 1978 mit sowjetischen Kameraden ins All hat schießen lassen, als ein für sich wichtiges Ereignis miterlebt hat und der auch eine kleine Modellrakete in den Himmel schießen durfte. Er arbeitet später für die PGH-Fernsehreparatur und seine Schwester hatte mit dem Wirtschaftsstudium begonnen. Dann fiel Christiane Kerner am Abend des 40. Staatsgeburtstag am Rande einer Demo, bei der auch ihr Sohn von der Staatspolizei verprügelt wurde, nach einem Herzinfarkt ins Koma. Sie verschlief das Ende der DDR, den Mauerfall und wacht kurz vor der Währungsunion wieder ganz unerwartet auf. Als sie erwacht, stellt dies ihren Sohn Alex vor kaum zu bewältigende Probleme. Der Rat des Arztes ist aber eindeutig. Um den Heilungsprozeß nicht zu gefährden, darf die Erwachte sich auf keinen Fall aufregen. Wie aber soll man ihr dann sagen, was in den vergangenen Monaten mit dem Land, in dem sie bis dahin glücklich gelebt hat und an das sie geglaubt hat, passiert ist? Am besten, denkt sich Alex, versucht man dies zu vertuschen. Auf einer Fläche von nur 79 qm läßt Alex die DDR wieder aufleben und dies ist gar nicht so einfach. Die Lieblingsgurken aus dem Spreewald sind aus den Regalen der Lebensmittelhandlungen verschwunden und auch sonst scheinen sich die Überreste der DDR in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit in Luft aufzulösen. Und plötzlich kommt auch der Wunsch nach Fernsehen bei der zu pflegenden Person auf. Zum Glück hat Alex aber einen Arbeitskollegen, der gerne mal Filmemacher werden will und mit diesem schafft er es sogar, die Ereignisse der letzten Zeit in einem ganz neuen Licht erscheinen zu lassen. Nur dumm, daß seine Schwester, die das Studium aufgegeben hat und nun bei einer amerikanischen Fast-Food-Kette arbeitet, nach und nach bei dem Ganzen nicht mehr mitmachen will und daß das Mädchen, das Alex über alles liebt, die ganze Sache am liebsten platzen lassen will. Alex hat es wirklich nicht leicht. Doch wer hat es schon leicht in diesen Zeiten der totalen Veränderung?

Wolfgang Becker hat sich seit seinem letzten Erfolg "Das Leben ist eine Baustelle" fünf Jahre lang Zeit gelassen, um uns mit dieser Geschichte zu beglücken. Mit "Good Bye Lenin!" weckt er die Hoffnung, daß der vor kurzem mal wieder in der Krise geredete deutsche Film vitaler ist, als er es je war. Doch Erfolg wird auch hierzulande ja leider immer nur mit Geld bemessen und wenn man nicht über die Einspielergebnisse einer Blödelkomödie kommt, dann steht es nach wie vor nicht gut um den deutschen Film. Das ist ja so ein Quatsch. Aber wer weiß, vielleicht strömen ja die Menschen in diesen Film und er wird der Erfolg des Jahres. Zu gönnen wäre es ihm. Er hat nämlich alles, was man für einen guten Film braucht. Hervorragende Darsteller, eine liebevolle, lustige und mit viel Herz und Intelligenz erzählte Handlung und einen Filmemacher, der genau weiß, was er auf die Leinwand bringen will. Damit ist Wolfgang Becker ein weiterer Meilenstein der neueren deutschen Filmgeschichte gelungen, den man immer wieder auf ein Neues bestaunen kann. Da es ja neben Wolfgang Becker auch andere noch sehr aktive Filmemacher wie Andreas Dresen, Tom Tykwer, Hans-Christian Schmid, Faith Akin und noch viele andere gibt, braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen. Irgendwo liegt bestimmt das nächste nette Drehbuch, daß hoffentlich von schlauen Leuten gelesen und mit tollen Schauspielern wie Daniel Brühl und Katrin Saß besetzt wird.