Matrix Reloaded

Nachdem man es geschafft hat, allen Sicherheitsvorkehrungen nachzukommen und unbeschadet durch einen Metalldetektor den Weg ins Kino beendet hatte, konnte man sich wieder etwas entspannter auf den Start des zweiten Teils der Matrix-Trilogie freuen. In Zeiten, in denen Raubkopien von Mainstream-Blockbustern der Filmindustrie das Fürchten lehren und jeder Film schnell mal eben aus dem Internet heruntergeladen werden kann, ist selbst der Besuch einer Pressevorführung nicht mehr das, was er mal war. Früher war alles anders.
Doch kommen wir zurück zum eigentlichen Thema, das da "Matrix Reloaded" heißt und bei dem ich im Vorfeld schon die Befürchtung hatte, daß man viel mehr Trickaufnahmen, die einfach aus dem Computer kommen, als solche erkennen wird, als es noch im ersten Teil der Fall war. Auch bei "Matrix" waren viele Bilder vom Computer manipuliert und bearbeitet worden, doch konnte man dies jedenfalls nicht auf den ersten Blick erkennen. Die Täuschung war fast perfekt. Dies kann man von den turbulenten Action-Szenen im zweiten Teil nicht immer behaupten, da fragt man sich dann doch das eine oder andere Mal, ob man nicht mitten im Computerspiel zum Film gelandet ist, da die Filmfiguren direkt aus dem Computer zu kommen scheinen. Den guten Gesamteindruck können diese Ausrutscher in den Action-Sequenzen aber auch nicht schaden, da der "Coolness Faktor" wieder alles überragt. Die teilweise etwas anstrengenden pseudo-philosophischen Passagen, in denen wieder über das Zusammenspiel der Matrix mit der Wirklichkeit geredet wird und über den Wert der freien Entscheidung, die man wohl erst beim zweiten oder dritten Anschauen richtig mitbekommt und einzuordnen weiß, werden wieder Möchtegernintellektuelle, die sonst von Action- und SF-Filmen gar nichts halten, viel Gesprächsstoff und Ausreden bieten, sich diesen Film anzuschauen und gut zu finden. Dies ist und bleibt aber auch das Geheimnis des großen Erfolgs dieser Filme. Denn die Handlung ist wieder recht belanglos und die Helden müssen sich einfach ihrem vorgegebenen Schicksal fügen und wie die Charaktere eines Computerspiels von einem Punkt zum anderen gelangen, um dort gesagt zu bekommen, was sie als nächstes zu tun haben. Dies alles ist aber einfach intelligent und mit viel der eben schon erwähnten Coolness aufbereitet worden. Neo hat es halt nicht leicht, da er sich als der "Auserwählte" ganz seinem Schicksal zu ergeben hat und nun einfach auf einen neuen Hinweis des Orakels wartet. Leider wird ihm die Zeit des Wartens durch düstere Träume zur Hölle gemacht, in denen er mitansieht, wie Trinity durch die Kugeln eines Agenten getötet wird. Wird diese Zukunft etwa Wirklichkeit werden und wird Neo Trinity verlieren? Außerdem erfahren wir, daß Morpheus auch mal eine Freundin hatte und daß es Leute in Zion, der letzten Bastion der Menschheit, gibt, die Morpheus gar nicht leiden können und ihm das ganze Gerede von der Prophezeiung auch nicht abnehmen. Dies fällt auch schwer, da Zion von den Maschinen entdeckt wurde und es wohl nicht mehr lange dauern wird, bis die alles entscheidende Schlacht zwischen den befreiten Menschen und den Maschinen ansteht. Dann aber wird Neo endlich zum Orakel gerufen und wieder in der Matrix müssen unsere Helden sich von nun an mit veränderten Computer-Agenten und ganz neuen Gegnern herumschlagen.

Wie jede gute Fortsetzung nutzt "Matrix Reloaded" den Vorteil einer Serie aus und beginnt ohne große Einführung der Charaktere sofort mit der Spannungshandlung. Da aber vor der nächsten großen Auseinandersetzung noch etwas Zeit totzuschlagen ist, erleben wir Menschen beim ausgelassenen Tanz (was Lust auf eine schweißtreibende Clubnacht macht - so könnte man als gewiefter Clubbetreiber gleich zur Matrix-Party einladen) und sehen zu, wie sie miteinander umgehen und Liebe machen. Außerdem werden weitere Personen eingeführt, damit sich der Umfang des Matrix-Universums auch wieder etwas vergrößert. Da aber "Zion" von einer gewaltigen Überzahl von Maschinen belagert wird, weiß man auch, daß den Hauptpersonen die Zeit wegläuft. Und ganz am Ende dieser 136 Minuten kann man es schon nicht mehr abwarten, bis im Oktober endlich "Matrix Revolution" anläuft. Ach ja, trotz der paar offensichtlicher Computereinsätze in den Actionszenen (die man ja auch teilweise nur noch als Beilage mitnimmt, da die reinen Prügelszenen durch das mehrmalige Anschauen von "Matrix" und den vielen Kopierversuchen solcher Szenen in diversen anderen Filmen etwas von ihrem ursprünglichen Reiz eingebüßt haben) kann auch "Matrix Reloaded" durchaus als "Augenschmaus" Akzente setzen. Ach ja, wer gute und durchgestylte Prügelszenen sehen will, die wirklich jeden Ästheten in Verzückung geraten lassen, der muß sich noch zwei Wochen gedulden, denn dann läuft endlich "Hero" an.