Von kugelsicheren Mönchen und grünen Giganten. Zwei Heldengeschichten.

Die eine Filmgeschichte, die auf einem relativ unbekannten amerikanischen Superheldencomic basiert, ist schnell erzählt. Ein tibetanischer Mönch wird zum Hüter einer geheimen Schriftrolle, die seinen Beschützer nicht altern läßt. Jedenfalls nicht solange, bis dieser einen neuen Beschützer gefunden hat. Daß diese Schriftrolle einen Beschützer braucht, wird schnell klar, als ein Kommando der Nazis über die Bewohner der Tempelanlage herfällt. Seit Indiana Jones wissen wir ja alle, daß die Nazis gerne nach irgendwelchen Artefakten suchten. Viele Jahre später trifft der Held und nach dem Filmtitel zufolge kugelsichere Mönch, den es mittlerweile nach New York verschlagen hat, auf einen jungen Mann, der sich als Taschendieb und Filmvorführer sein Leben finanziert und der es ab und an mit den falschen Leuten zu tun bekommt. Als dieser versucht, dem Mönch seine Tasche zu klauen und dabei an eine Gruppe von wilden Typen gerät, weckt er durch seine in dieser Situation gezeigte Schlagfertigkeit das Interesse unseres Helden. Der Mönch hat Hilfe nötig, da er selbst gejagt wird. Von wem, wissen wir ersteinmal nicht. Außerdem wird noch eine kampflustige junge Frau eingeführt, die das Interesse des Diebes auf sich lenkt. Im Dreierpack werden sie nun bald versuchen zu verhindern, daß die geheimnisvolle Schriftrolle in die falschen Hände gerät. Der nächste Held ist eigentlich kein echter Held, sondern ein grünes Monster, das es mit Leichtigkeit mit dem modernsten Kriegsgerät aufnimmt. Doch bis es zu diesen kämpferischen Auseinandersetzungen kommt, wird ersteinmal eine Geschichte über einen sehr seltsamen Wissenschaftler erzählt, der seine Forschungen mit ganz eigenwilligen Methoden vorantreibt und der, als ihm seine Auftraggeber verbieten, seine Forschungen an Menschen zu testen, diese im Selbstversuch testet und dabei sogar seinen Sohn unbeabsichtigt irgendwelchen Veränderungen aussetzt. Irgendwann scheint der Mann vollkommen durchgedreht zu sein und es kommt zu einer Auseinandersetzung mit seiner ihm liebenden Frau. Wie diese Auseinandersetzung ausgeht, wird aber nicht verraten, dafür sehen wir aber, wie der Sohn des Wissenschaftlers selbst zum Wissenschaftler wird und ohne es zu wissen auf dem gleichen Gebiet arbeitet wie sein Vater. Seine Forschungen und die Einmischung seines plötzlich wieder auftauchenden Vaters führen dazu, daß er sich immer dann, wenn er sich großem Streß ausgesetzt sieht, sich in einen grünen Giganten verwandet und in streßige Situationen wird er nun immer häufiger geraten. Außerdem ist der Mann in eine junge Frau verliebt, die auch Forscherin ist und deren Vater, ein hochrangiger Militär, sich plötzlich auch in das Leben seiner Tochter einmischt.

Während die eine Geschichte ganz gradlinig erzählt ist und ohne großen Einfallsreichtum (wer braucht heute noch diese doofen Nazigegner) und mit viel Action und Humor aufzutrumpfen versucht, dabei aber nicht über die Qualität eines, wenn auch ganz passablen, Pilotfilms herausragt, zeigt sich bei der Superheldenadaption von Ang Lee, welch einen Unterschied es macht, wenn sich die Filmemacher ihre eigene Interpretation einer längst bekannten Superheldengeschichte zusammenbasteln dürfen. So wird aus "Hulk" kein Actionfeuerwerk wie "X-Men", "Daredevil" oder "Spider-Man", sondern eine anfangs recht ruhige, wenn auch mit wilder Bildsprache (hier wird mit dem traditionellen Splitscreenverfahren gespielt, um so der Comicsprache näher zu kommen) erzählten, sich recht langsam entwickelnde Geschichte. Bis der Hulk zum erstenmal auftaucht und seinen ersten Kampf mit mutierten Straßenhunden hat, braucht der Zuschauer also Geduld oder er läßt sich einfach auf diese sich um ihre Hauptcharaktere sehr bemühende Geschichte ein. Bei diesem Film zeigt sich außerdem, daß die Vermischung von echten Schauspielern mit animierten Filmdarstellern immer besser gelingt, denn nach Gollum aus " Der Herr der Ringe" ist der Hulk, wenn er richtig in Fahrt kommt, ein ebenfalls sehr faszinierender Anblick und wenn er nicht immer wieder so treuherzig (Shrek läßt grüßen) in die Kamera gucken würde, wäre er wirklich ein "echtes" Monster. Am Ende der Geschichte zeigt sich auch, daß Ang Lee mit diesem Film nicht einfach eine neue Superheldenadaption hingelegt hat, sondern daß er mehr versucht, das traditionelle Monstermovie wiederzubeleben. Vielleicht ist es ihm ja gelungen. "Hulk" hat derzeit noch eine ganz andere Auswirkung auf unsere Kinolandschaft. Das neue Abrechnungsverfahren des Filmverleihers dieses Films sorgt gerade für mächtig viel Aufsehen in der Kinobranche und so mancher Kinobesitzer hat sich sogar schon zu einem Boykott dieses Films durchgerungen. Dies zeigt mal wieder ganz deutlich, welche Veränderungen derzeit diese Branche durchlebt, die sich durch Raubkopien und einen viel zu schönen Frühsommer arg gebeutelt gibt.